atelier - osmose
Atelier für freie Kunst, Setdesign & Ausstellungsgestaltung

TEXTE ZU FOTODELERE

Das

Steffen Osvath über seine Kunst

 

 

Fotodelere

Achtlos weggeworfene Fotografien

 

Archäologen er-finden aus Spuren ein Leben aufs Neue.

Daher sehe mich nicht als Fotograf - eher als Fotoarchäologe oder Fotogeologe.

 

 

Ich grabe mich intervallweise durch einst sorgfältig gehütete Schätze aus Pappbildchen und Farbdiafilmen. Aufbewahrt als visuelles Familien-Gedächtnis, weggeworfen, verkauft oder vergessen, als Gegenstand verschiedener Erinnerungsentrümpelungen.

 

In der heutigen Zeit tritt die Tragik des Schwindens aus dem Sinn der Hinterbliebenen besonders hervor, während in anderen Epochen wie dem Barock die Menschen so zahlreich gingen, dass ein Nachsinnen im Kampf ums eigene Überleben kaum Platz hatte.

 

Ein neuer Fund wird analysiert: Aus ihrer unsortierten Masse heraus brennen sich im Sekundentakt fremde Geschichtsfragmente in unser Gehirn, das eifrig wie bei Lynchfilmen nach Zusammenhängen sucht. In der Manier,  wie  unser Hirn die eigene Erinnerung ständig neu generiert und immer wieder verfälscht, verwebt es die Bilder zu scheinbar bekannten Existenzteppichen. Die Zeitkomponente löst sich auf und ist zugleich Rückblick, Ansicht wie auch Aussicht. Die abgebildeten Figuren werden zu wandelbaren Platzhaltern, die sich mit Emotionen und Erfahrungen des Betrachters aufladen, angereichert mit subjektiver Wahrnehmung und Fantasterei.

Hier setzt die Fotodelere ein. Durch kombinieren, reduzieren, herausschaben, übermalen werden Bildelemente verändert und neugenerierte Geschichten visualisiert, ohne dass der schöpferische Interpretationsprozess zum Erliegen käme.

Die Fotodelere-Bilder  fahren ein Arsenal an Metaphern und Vergleichen auf, die die individuelle Existenz als kurzatmig und nichtig erscheinen lassen. Bejaht als unumgängliche Sequenz erhält dieses „Elend“ jedoch sanften humorvollen Ausklang. Nachdem das pessimistische Gesamtbild abklingt und dem Skurrilen die Oberhand gewährt erkennt der geneigte Voyeur, dass die Grenze zum privaten längst aufgelöst ist und er das Bild mit Aspekten seiner eigenen Existenz nährt. Seine Empathie für Intimität und Offenlegung von Verborgenem lassen ihn Teil der Geschichte werden, mit der Distanz des stillen Teilhabers oder einer völligen Identifikation.